Objekt des Monats

Die Heiligenmedaillen der Maria Magdalena - August 2019

Das Objekt des Monats August ist die Heiligenmedaille der Maria Magdalena, zu finden in der derzeitigen Sonderausstellung „Maria Magdalena – Glaube und Mythos“. So unscheinbar und leicht übersehbar sie scheint, so spannend ist auch ihre Geschichte. Sogenannte „Schaumünzen“ tauchen erstmals in der Renaissance Italiens auf und erfreuen sich bald europaweit großer Beliebtheit. In ihren Anfängen stellten sie verschiedenste Motive wie Dichter, edle Damen oder auch bestimmte Ereignisse dar, während sie in der Barockzeit dazu dienten, den absolutistischen Herrschern eine weitere Möglichkeit der glorreichen Selbstdarstellung zu bieten. Medaillen mit Heiligen fanden unter den Gläubigen ab dem 16./17. Jahrhundert zunehmend Verbreitung und versprachen den Trägern göttlichen Beistand. Jedem Heiligen wurden dabei andere himmlische Fähigkeiten zugeschrieben. Zum Beispiel Maria Magdalena – sie gilt als die Schutzpatronin für Frauen, Winzer, Handschuhmacher und einigen mehr und wird bei Augenleiden, Gewitter und Ungezieferbefall angerufen. Die ausgestellte Heiligenmedaille stammt aus der französischen Stadt Saintes-Maries de la Mer aus dem Jahre 2014. Warum Frankreich? Der Legende nach soll Maria Magdalena nach der Auferstehung Christi mit weiteren Heiligen über das Meer nach Frankreich gesegelt sein und dort missionarisch gewirkt haben. Zudem verbrachte sie 30 Jahre in einer Grotte und wurde von göttlicher Musik genährt. Ihre Gebeine, so Gläubige, befinden sich heute in der Basilika Saint-Maximin-la-Sainte-Baume und der Stadt Vézelay.

 Das Märchenbuch „Der gestiefelte Kater" - Juli 2019

Das Märchenbuch „Der gestiefelte Kater“, (1974, Illus: Regine Heinecke)

Es sind oft die kleinen und scheinbar banalen Dinge im Leben, die bei genauerem Hinsehen besonders spannend sind. So auch das Objekt des Monats Juli. Jedermann kennt den Inhalt und jedermann denkt, die Geschichte dahinter zu kennen – ein weiches Fell, schicke Stiefel und cleverer als jeder Zauberer? „Der gestiefelte Kater“ ist eines der bekanntesten Grimm´schen Märchen. Kaum bekannt ist hingegen, dass die Geschichte schon viel älter ist als erwartet und die Brüder Grimm keineswegs die ersten waren, die eine umfangreiche Märchensammlung veröffentlichten. Allerdings waren sie auch nicht die letzten. Allein das Märchen des gestiefelten Katers wurde in unzähligen Büchern wiedergegeben und auch illustriert. Im Illusorium der Museen Schloß Voigtsberg hat die Künstlerin Regine Heinecke den cleveren Kater künstlerisch zum Leben erweckt. Erstmals erschien das von ihr illustrierte Büchlein 1974 und liegt in unserer gemütlichen Leseecke in der 2006 erschienenen Auflage aus.

Flourit-Stufe, Schönbrunn - Juni 2019

Zwischen den 400 einzigartigen Edelsteinen und Mineralien aus der Sammlung Dr. Edgar Schramm im Mineraliengewölbe auf Schloß Voigtsberg findet man einige wunderschöne Flußspat-Kristallstufen aus dem Grubenrevier Schönbrunn bei Oelsnitz. Bis 1991 wurde hier das begehrte Mineral Flußspat (lat. Fluorit) untertage abgebaut.

Dieses 13 cm breite Exemplar zeichnet sich durch eine interessante zonare Färbung in violett und grün aus. Flourit tritt außerdem in den Farben weiß, gelb, rot, blau, rosa, schwarz oder farblos auf. Durch die Parkettierung ist die kubische Kristallstruktur des Flourit deutlich zu erkennen.

Der Name Flußspat begründet sich übrigens in einer früher wichtigen Nutzung des Minerals: Es diente als Flussmittel zur Erzschmelze, wie auch zur Glas- und Keramikherstellung, d.h. durch Zugabe von Flourit schmelzen die zu verarbeitenden Rohstoffe bereits bei niedrigeren Temperaturen.

Maria Magdalena Barbie - Mai 2019

2014 löste das argentinische Künstlerpaar Pool und Marianela mit der Vorab-Präsentation einiger ihrer Barbie-Heiligen auf facebook einen Sturm der Entrüstung aus. Kurz vor dem Start der Ausstellung „Barbie – the plastic religion“ in der kleinen Galerie POPA in Buenos Aires erhielten die beiden internationale Aufmerksamkeit von unerwarteter Seite.

Neben Klageandrohung wegen anstößiger Darstellung argentinischer lokaler Volksheiligen, erreichten die Künstler über facebook sogar Morddrohungen, so dass sie ihre Ausstellung zunächst absagten.

„Uns ging es um die religiöse Darstellung des Schönheitsmaßstabs der Gegenwart, die Kirche hat immer ihre Figuren nach zeitgenössischen Modellen verbildlicht.“ Pool und Marianela sehen sich als Vertreter der sogenannten Lowbrow-Kunst und arbeiten sich an Objekten der Pop-Kultur ab, indem sie sie humoristisch-ironisch überarbeiten und verfremden. Eine Kritik an der Religion lag den Künstlern tatsächlich fern – es handelt sich eher um eine Übertragung sakraler Bildtraditionen in aktuelle popkulturelle Darstellungsformen. Und tatsächlich: Besonders Maria Magdalena wurde zu allen Zeiten dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend als schöne, junge Frau dargestellt.

Mit ihrem offenen Haar, dem schlichten Gewand, inniger Geste und dem Kruzifix in der Hand steht die Barbie-Magdalena fest in der Tradition der Darstellung der Heiligen. Auch der markante Totenschädel zu ihren Füßen ist in diesem Zusammenhang zu sehen.

Das Objekt ist als Leihgabe des Künstlerpaars in der Sonderausstellung „Maria Magdalena – Glaube & Mythos“ bis zum 27. Oktober 2019 in den Museen Schloß Voigtsberg zu sehen.

Wandinschrift „Drusus-Sage“ - April 2019

Nur noch fragmentarisch erhalten, berichtet eine Wandinschrift aus der Zeit um 1700 über den römischen „Vogt“ und Feldherren Drusus. Dieser soll auf dem Berg, auf dem heute Schloss Voigtsberg steht, ein Lager errichtet und so dem Berg – wie auch dem ganzen Vogtland – seinen Namen gegeben haben.

„Drusus der edle Römisch Voigt,
Erbawet diesen Berg in Noht,
Da er Kriege im Deutschland pflag,
Voigtsberg heist er auff diesen Tag,

Darnach ward von jhm recht genant
Die Gegend, vnd heist Voigtland.“

Eine ältere Überlieferung der Inschrift findet sich bereits im Amtserbbuch des Amtes Voigtsberg, dass im Jahre 1542 niedergeschrieben wurde und mit einigen weiteren Versen die Geschichte des Schlosses und seiner Eigentümer beschreibt.

Der ursprünglich lateinische Ausspruch war laut Überlieferungen in der Amtsstube zu finden – heute allerdings ist davon nichts mehr zu sehen.