Objekt des Monats

Regine Heinecke „Niemandsland“ - Objekt des Monats November 2019

Regine Heinecke „Niemandsland“, Öl auf Leinwand, 1989

Die Künstlerin Regine Heinecke wurde in Zwickau geboren, wuchs im Leipziger Umland auf und entdeckte und entfaltete in und um Leipzig ihre künstlerische Ader. Dem städtischen Trubel und Klüngel den Rücken kehrend, wendete sie sich bereits 1961 – im Jahr des Mauerbaus – ins Vogtland. Damit verschlug sie es in eine Region, die durch ihre landschaftlichen Reize, einen besonderen Menschenschlag und die Nähe zur innerdeutschen Grenze geprägt ist. So verwundert es nicht, dass sich Regine Heinecke zur Wendezeit mit dem Thema der Grenze auseinandersetzte und dabei tatsächlich ein Stück davon in ihrem Werk verarbeitete, wo es heute an Zustände erinnert, die mittlerweile Geschichte geworden sind und dennoch wohl stets Aktualität bewahren werden.

„Der Alte“ - Objekt des Monats Oktober 2019

  • Hersteller: Koch & te Kock
  • Datierung: 1881
  • Technik: Chenille-Axminster
  • Maße: 3,50 m x 4,50 m
  • Genre/Stil: Kleinasien
  • Dessin: 138
  • Flor: Wolle
  • Dichte: 20 Strang (Chenille) auf 10 cm

Der sogenannte „Alte“ ist ein Paradestück für unternehmerischen Willen und Kampf mit den Widrigkeiten der zur Verfügung stehenden Technik. Im ersten Produktionsjahr der neu gegründeten Oelsnitzer Firma Koch & te Kock, 1881, entstand der 3,50 m x 4,50 m große Salonteppich auf einem Chenille-Axmister-Webstuhl mit einer Durchlaufbreite von gerade mal 60 cm. Auf der Rückseite wird seine “Bauweise” sichtbar: 4 separat gewebte Stücke sind bei geschickter Ausnutzung des Rapports längs aneinander genäht und bilden das Mittelfeld. Die im passenden Muster gewebte Borte wurde zugeschnitten und am Mittelteil angenäht.

In den 1930er Jahren kam er nach einer Haushaltsauflösung wieder zurück zum Hersteller, wurde ausgebessert und im Fabrikmuseum von Koch & te Kock als Glanzstück gezeigt. Im Jahre 1978 gelangte der Teppich als Schenkung des VEB Halbmond-Teppiche Oelsnitz in das Heimat- und Teppichmuseum auf Schloss Voigtsberg und zählt noch heute zu den beeindruckendsten Objekten der Ausstellung.

Aluminium-Teller, Läusekamm & ein Paar Stoffschuhe - September 2019

Nach Neugliederungen in der Verwaltungsstruktur des kurfürstlichen Sachsen um 1856 wandelte sich die historische Schloßanlage auf dem Voigtsberg vom Amtssitz zum Gefängnis. Ab 1874 diente die „Sächsische Landesanstalt zu Voigtsberg“ dann 50 Jahre lang als Strafanstalt für Frauen. In der landläufig als Weiberkorrektionsanstalt oder Weiberzuchthaus bekannt gewordenen Einrichtung lebten zeitweise über 300 Insassinnen. Für die Architektur der Anlage war dies eine besonders prägende Zeit, wurden doch zwischen 1898 und 1900 umfassende bauliche Veränderungen im Äußeren wie im Inneren vorgenommen, um die wachsende Zahl an inhaftierten Frauen zu bewältigen.

Gegenstände jedoch, die als Zeitzeugen dieser Phase der Schlossgeschichte dienen können und vom Alltag der Frauen in der Strafanstalt erzählen sind rar. Neben einigen rostigen Scheren und Knöpfen berichten besonders eindrucksvoll ein paar zerschlissene Stoffschuhe und ein Läusekamm mit gebrochenen Zinken vom kargen und harten Leben im Gefängnis, in dem die Frauen schwere, körperliche Arbeit auf dem Feld oder in der Industrie zu verrichten hatten und – trotz der Erweiterungsbauten – in sehr beengten Verhältnissen ihr Dasein fristen mussten.

Die Heiligenmedaillen der Maria Magdalena - August 2019

Das Objekt des Monats August ist die Heiligenmedaille der Maria Magdalena, zu finden in der derzeitigen Sonderausstellung „Maria Magdalena – Glaube und Mythos“. So unscheinbar und leicht übersehbar sie scheint, so spannend ist auch ihre Geschichte. Sogenannte „Schaumünzen“ tauchen erstmals in der Renaissance Italiens auf und erfreuen sich bald europaweit großer Beliebtheit. In ihren Anfängen stellten sie verschiedenste Motive wie Dichter, edle Damen oder auch bestimmte Ereignisse dar, während sie in der Barockzeit dazu dienten, den absolutistischen Herrschern eine weitere Möglichkeit der glorreichen Selbstdarstellung zu bieten. Medaillen mit Heiligen fanden unter den Gläubigen ab dem 16./17. Jahrhundert zunehmend Verbreitung und versprachen den Trägern göttlichen Beistand. Jedem Heiligen wurden dabei andere himmlische Fähigkeiten zugeschrieben. Zum Beispiel Maria Magdalena – sie gilt als die Schutzpatronin für Frauen, Winzer, Handschuhmacher und einigen mehr und wird bei Augenleiden, Gewitter und Ungezieferbefall angerufen. Die ausgestellte Heiligenmedaille stammt aus der französischen Stadt Saintes-Maries de la Mer aus dem Jahre 2014. Warum Frankreich? Der Legende nach soll Maria Magdalena nach der Auferstehung Christi mit weiteren Heiligen über das Meer nach Frankreich gesegelt sein und dort missionarisch gewirkt haben. Zudem verbrachte sie 30 Jahre in einer Grotte und wurde von göttlicher Musik genährt. Ihre Gebeine, so Gläubige, befinden sich heute in der Basilika Saint-Maximin-la-Sainte-Baume und der Stadt Vézelay.

 Das Märchenbuch „Der gestiefelte Kater" - Juli 2019

Das Märchenbuch „Der gestiefelte Kater“, (1974, Illus: Regine Heinecke)

Es sind oft die kleinen und scheinbar banalen Dinge im Leben, die bei genauerem Hinsehen besonders spannend sind. So auch das Objekt des Monats Juli. Jedermann kennt den Inhalt und jedermann denkt, die Geschichte dahinter zu kennen – ein weiches Fell, schicke Stiefel und cleverer als jeder Zauberer? „Der gestiefelte Kater“ ist eines der bekanntesten Grimm´schen Märchen. Kaum bekannt ist hingegen, dass die Geschichte schon viel älter ist als erwartet und die Brüder Grimm keineswegs die ersten waren, die eine umfangreiche Märchensammlung veröffentlichten. Allerdings waren sie auch nicht die letzten. Allein das Märchen des gestiefelten Katers wurde in unzähligen Büchern wiedergegeben und auch illustriert. Im Illusorium der Museen Schloß Voigtsberg hat die Künstlerin Regine Heinecke den cleveren Kater künstlerisch zum Leben erweckt. Erstmals erschien das von ihr illustrierte Büchlein 1974 und liegt in unserer gemütlichen Leseecke in der 2006 erschienenen Auflage aus.

Flourit-Stufe, Schönbrunn - Juni 2019

Zwischen den 400 einzigartigen Edelsteinen und Mineralien aus der Sammlung Dr. Edgar Schramm im Mineraliengewölbe auf Schloß Voigtsberg findet man einige wunderschöne Flußspat-Kristallstufen aus dem Grubenrevier Schönbrunn bei Oelsnitz. Bis 1991 wurde hier das begehrte Mineral Flußspat (lat. Fluorit) untertage abgebaut.

Dieses 13 cm breite Exemplar zeichnet sich durch eine interessante zonare Färbung in violett und grün aus. Flourit tritt außerdem in den Farben weiß, gelb, rot, blau, rosa, schwarz oder farblos auf. Durch die Parkettierung ist die kubische Kristallstruktur des Flourit deutlich zu erkennen.

Der Name Flußspat begründet sich übrigens in einer früher wichtigen Nutzung des Minerals: Es diente als Flussmittel zur Erzschmelze, wie auch zur Glas- und Keramikherstellung, d.h. durch Zugabe von Flourit schmelzen die zu verarbeitenden Rohstoffe bereits bei niedrigeren Temperaturen.

Maria Magdalena Barbie - Mai 2019

2014 löste das argentinische Künstlerpaar Pool und Marianela mit der Vorab-Präsentation einiger ihrer Barbie-Heiligen auf facebook einen Sturm der Entrüstung aus. Kurz vor dem Start der Ausstellung „Barbie – the plastic religion“ in der kleinen Galerie POPA in Buenos Aires erhielten die beiden internationale Aufmerksamkeit von unerwarteter Seite.

Neben Klageandrohung wegen anstößiger Darstellung argentinischer lokaler Volksheiligen, erreichten die Künstler über facebook sogar Morddrohungen, so dass sie ihre Ausstellung zunächst absagten.

„Uns ging es um die religiöse Darstellung des Schönheitsmaßstabs der Gegenwart, die Kirche hat immer ihre Figuren nach zeitgenössischen Modellen verbildlicht.“ Pool und Marianela sehen sich als Vertreter der sogenannten Lowbrow-Kunst und arbeiten sich an Objekten der Pop-Kultur ab, indem sie sie humoristisch-ironisch überarbeiten und verfremden. Eine Kritik an der Religion lag den Künstlern tatsächlich fern – es handelt sich eher um eine Übertragung sakraler Bildtraditionen in aktuelle popkulturelle Darstellungsformen. Und tatsächlich: Besonders Maria Magdalena wurde zu allen Zeiten dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend als schöne, junge Frau dargestellt.

Mit ihrem offenen Haar, dem schlichten Gewand, inniger Geste und dem Kruzifix in der Hand steht die Barbie-Magdalena fest in der Tradition der Darstellung der Heiligen. Auch der markante Totenschädel zu ihren Füßen ist in diesem Zusammenhang zu sehen.

Das Objekt ist als Leihgabe des Künstlerpaars in der Sonderausstellung „Maria Magdalena – Glaube & Mythos“ bis zum 27. Oktober 2019 in den Museen Schloß Voigtsberg zu sehen.

Wandinschrift „Drusus-Sage“ - April 2019

Nur noch fragmentarisch erhalten, berichtet eine Wandinschrift aus der Zeit um 1700 über den römischen „Vogt“ und Feldherren Drusus. Dieser soll auf dem Berg, auf dem heute Schloss Voigtsberg steht, ein Lager errichtet und so dem Berg – wie auch dem ganzen Vogtland – seinen Namen gegeben haben.

„Drusus der edle Römisch Voigt,
Erbawet diesen Berg in Noht,
Da er Kriege im Deutschland pflag,
Voigtsberg heist er auff diesen Tag,

Darnach ward von jhm recht genant
Die Gegend, vnd heist Voigtland.“

Eine ältere Überlieferung der Inschrift findet sich bereits im Amtserbbuch des Amtes Voigtsberg, dass im Jahre 1542 niedergeschrieben wurde und mit einigen weiteren Versen die Geschichte des Schlosses und seiner Eigentümer beschreibt.

Der ursprünglich lateinische Ausspruch war laut Überlieferungen in der Amtsstube zu finden – heute allerdings ist davon nichts mehr zu sehen.