Der Tod und das Mädchen - Leben. Lust. Leiden

Die Beschäftigung mit dem Tod ist so alt wie die Menschheit. Bereits früheste kulturelle Zeugnisse verweisen auf Rituale im Umgang mit Verstorbenen, ist doch die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit und der Unausweichlichkeit des eigenen Todes eine der großen Triebfedern des menschlichen Zusammenlebens. So ist ein Kernpunkt jeder Religion eine Vorstellung vom Leben nach dem Tod, die den Gläubigen die Angst vor dem Sterben nimmt, weil sie Hoffnung auf ein Danach vermittelt. Durch solche beruhigenden Vorstellungen und die alltäglichen Aufgaben und Ablenkungen rückt das Bewusstsein über die eigene Sterblichkeit jedoch weit nach hinten. Dies trifft nicht nur, aber in besonderem Maße, auf die modernen Gesellschaften zu. Erst das Eindringen des Todes ins kollektive Bewusstsein durch größere Katastrophen fördert die individuelle Auseinandersetzung, die sich oft auch in der Kunst widerspiegelt. Die grassierenden Pestepidemien von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis ins 17. Jahrhundert hinein bewirkten die Schaffung zahlreicher Totentänze, deren bekanntester wohl der Baseler Totentanz von 1440 sein dürfte. So geht denn die Sonderausstellung „Leben. Lust. Leiden. - Der Tod und das Mädchen“ auf Schloß Voigtsberg folgerichtig von den Totentanz-Zyklen aus, besitzen die Museen doch selbst einige Darstellungen zum Thema in ihrem Bestand. Doch die Facetten der Ausstellung beschränken sich nicht nur auf die Darstellungen des Todes, vielmehr schlägt sie die Brücke zur Auseinandersetzung mit dem Tod bis in die Gegenwart – mit höchster Aktualität in Zeiten der Corona-Pandemie. Besonderes Augenmerk gilt dem Motiv von „Tod und Mädchen“, eben jener Spielart des Themas, bei der die enge Verbindung zwischen Leben und Tod überdeutlich und doppeldeutig veranschaulicht werden kann. Die Begegnung zwischen dem „Mädchen“ – als Symbol für die Blüte des Lebens, für Lebenslust und auch Erotik – und dem meist männlich gedachten Tod birgt besondere Spannung in sich, die künstlerisch verarbeitet von einer massiven Sexualisierung hin zur emotionalen Verklärung bis zur tiefen Liebe zwischen dem Mädchen und der Person „Tod“ reicht. Dabei kann der Tod auch als Freund, als einfühlsamer und empathischer Begleiter, gar als Erlöser auftreten. In diesem spannenden Bogen der Sonderschau, die bis 4. Oktober 2020 auf der altehrwürdigen Burganlage zu sehen sein wird, rangieren denn auch die Exponate. Ob die bekannten historischen Darstellungen von Hans Holbein, Matthäus Merian oder die Zizenhausener Terrakotten, ob Wandlungen des Themas im 18. und 19. Jahrhundert wie bei Alfred Kubin oder August Brömse oder zeitgenössische Kunst von Ernst Fuchs, Siegfried Otto Hüttengrund, Arno Rink oder Hans Bellmer: sie alle zeigen die Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit dieser „endgültigen Beziehung“. Zahlreiche Skulpturen wie Hans Scheibs „Der Tod und das Mädchen“ oder die eindrucksvolle Stahlplastik von Denis Stuart Rose und die opulente Darstellung hoch zu Ross des Slowaken Samo Kramberger, filmische Darstellungen von Fritz Langs „Der müde Tod“ über „Death Takes a Holiday“ von 1934 bis zur kollektiven Erinnerung an Brad Pitts Darstellung des das Leben erforschenden Todes in „Meet Joe Black“ treffen hier auf Musikstücke wie Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ oder „Das Mädchen und der Tod“ von Oonagh. Ein separater Ausstellungsteil ist dabei allerdings nur Erwachsenen vorbehalten. In der „Über 18“ Abteilung stehen eindeutige Darstellungen aus Martin van Maeles „De Sceleribus et Criminibus“ oder „Les Fleurs du Mal“ Kunstwerken von Horst Janssen oder des Schweizers Ueli Dubs gegenüber. Für das persönliche Moment der Ausstellung sorgt dabei auch sicherlich der „Baum der Wünsche“. In Anlehnung an die erst 2019 verstorbene Künstlerin Regine Heinecke – deren Lebenswerk die Museen Schloß Voigtsberg betreuen und die ebenfalls eine wunderbare Illustration zum Thema schuf – ist ein Lindenbaum (eben jener Lieblingsbaum der Künstlerin und Gedenksymbol)in die Ausstellung „gepflanzt“ worden. Hier können die Besucher dann ihre Wünsche, Gedenken und Gedanken auf kleine Blätter schreiben und an den, zum Anfang der Ausstellung noch fast kahlen, Baum hängen und dafür sorgen, dass er im Laufe der Sonderschau „ergrünt“. Dabei zeigt die Sonderexposition eindrucksvoll eines: Tatsache ist, dass der Tod niemals an Aktualität verliert.

Im Rahmen der Exposition finden zudem Begleitangebote für alle Altersgruppen und öffentliche Veranstaltungen ergänzend statt, die eigentliche Ausstellungseröffnung ist aufgrund der aktuellen Situation noch nicht terminiert. Sechs Euro kostet das den gesamten Komplex der Museen Schloß Voigtsberg und die Sonderschau umfassende Ticket, mehr Informationen sind unter www.schloss-voigtsberg.de und unter der Rufnummer der Museen Schloß Voigtsberg, 037421-729484, erhältlich.

Gefördert wird die Ausstellung durch den Kulturraum Vogtland-Zwickau, zahlreiche Leihgeber wie LETTER Stiftung Köln, das Museum für Sepulkralkultur Kassel, die Deutsche Nationalbibliothek und eine Vielzahl von Künstlern aus dem In- und Ausland unterstützen die Schau.