Meister im Detail - Werner Tübke

„Zeichnen erst einmal elementares Bedürfnis, alles andere kommt dann.“
Werner Tübke

Für den Künstler und Meister Werner Tübke, geboren am 30. Juli 1929 in Schönebeck/Elbe als Sohn einer Kaufmannsfamilie, war das Zeichnen eine elementare Basis seiner Kunst.

Schon frühzeitig im Alter von 10 Jahren wusste Werner Tübke, dass er Maler werden wollte.

Er begann mit privatem Zeichenunterricht bei Karl Friedrich in Magdeburg.

Werner Tübke als 20-jähriger schon ein Profi in seiner Kunst, war unbestritten einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Neben seinem wohl größten und bekanntesten Werk, dem Panoramagemälde zur Frühbürgerlichen Revolution in Bad Frankenhausen umfasst das Œuvre Werner Tübkes ca. 6000 Zeichnungen, etwa 500 Aquarelle, 350 Gemälde in Öl, Tempera oder Mischtechnik und mehr als 200 Druckgrafiken.

Werner Tübke gilt als einer der Gründer und Vertreter der neuen Leipziger Schule, eine Strömung in der modernen Malerei, mit dem Ausdruck einer bewussten Gesellschaftsanalyse und mit hohem künstlerischem und bemerkenswertem handwerklichem Anspruch.

Als Voraussetzung für die Entstehung eines Werkes der Malerei verstand Werner Tübke den stufenweisen zeichnerischen Prozess, mit Detailstudien zu Formen für Bildelemente oder auch experimentellen Skizzen zur Komposition des Werkes. Der zeichnerische Prozess sowie die Auseinandersetzung mit dem Detail begleitete Werner Tübke in seinem künstlerischen Schaffen ein Leben lang.

In Werner Tübkes Werken dominiert das Menschenbild. In meisterlicher detailgetreuer –manieristischer - Malweise entstanden Werke mit Historien- und Zeitdarstellungen, Porträts, Akte, Harlekinaden, Sinnbilder, Allegorien, mit christlichen und mythologischen Motiven.

Landschaften, meist als Aquarell ausgeführt, spiegeln die Affinität Werner Tübkes zu Reisen und die Verbundenheit zur Natur wider.

Die Exposition zeigt die detailhafte Akribie des Ausnahmekünstlers Werner Tübke in mehr als 100 Skizzen, Originalzeichnungen, Aquarellen und Grafiken, die die gesamte Schaffenszeit des Künstlers widerspiegeln: Federzeichnung zu Novalis „Hymnen an die Nacht“ von 1956, Studien zu „Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“ von 1960, Bleistiftzeichnung „Bildnis meines Vaters“ von 1965, Skizzen zu dem Gemälde „Nationalkomitee Freies Deutschland von 1969, Bleistiftstudie zum Panoramagemälde zur Frühbürgerlichen Revolution „Mönch und Bauer“ von 1976, Grafitzeichnung „Zu Harlekin“ von 1978, Rötelzeichnung „Männlicher Rückenakt“ von 1980, Grafitzeichnung „Atelier Springerstraße“ von 1990, Kohlezeichnung Selbstbildnis mit Kopftuch“ von 1991, Grafitzeichnung „Mädchen mit Laute“ von 1999, Grafitzeichnung „Strandleben in Warnemünde“, Vier Männer und Frau mit Narr, Selbstbildnis“ von 2003.

Zu sehen sind auch Stationen unternommenen Reisen Werner Tübkes in Form von persönlichen Fotografien verbunden mit auf Reisen entstandenen Zeichnungen, Aquarellen oder Grafiken wie zum Beispiel: Feder und Aquarell „Im Mai 66 am Strand“ von 1966, Aquarell „Capri – Straße in Anacapri“ von 1980, Aquarell Auf Hydra / Ägäis, von 1982, Kreidelithographie „Sinai“ von 1989, Aquarell „ Kastell auf Ischia“ von 1993.

Anhand von mehreren Aquarellstudien sowie einer Ölstudie zum Panoramagemälde „Arbeiterklasse und Intelligenz“, welches für das Rektoratsgebäude der Universität Leipzig geschaffen wurde, kann in der Exposition die Vorarbeit Werner Tübkes zu einem großen Gemälde in einem minimalistische Ausschnitt nachvollzogen werden.

Die Ausstellung reflektiert retrospektiv das zeichnerische Genie Werner Tübkes und verdeutlicht das Anliegen des Künstlers:

„Ich habe im Grunde als Zeichner begonnen, und ich werde wohl als Zeichner auch aufhören. ...“
Werner Tübke